Sicherheit und Ausbildung

Sicher unterwegs

Das Sicherheits- und Ausbildungskonzept des Deutschen Canyoning Verein e.V

Der DCV hat sich dazu entschlossen, sich verstärkt mit dem Thema “Sicherheit” zu beschäftigen. Der Auslöser dazu waren die Unfälle des Jahres 2009, bei denen auch DCV- Mitglieder beteiligt waren, jedoch nicht im Rahmen offizieller DCV-Touren. Auch in den Jahren zuvor kam es bei DCV-Touren immer wieder zu gefährlichen Situationen. Zudem ist der Verein in den letzten Jahren erfreulicherweise immer weiter gewachsen und man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass man jeden kennt und dessen Können einschätzen kann.

Daher wurde im  Herbst 2009 der Sicherheitskreis des DCV gegründet (Baja Hilger, Ingo Höhlich, Manfred Fink, Eddy Hofmann). Die erste Aufgabe, die sich der Sicherheitskreis gestellt hat, bestand in der Erarbeitung von Sicherheitsempfehlungen bei der Begehung von Canyons insbesondere im Rahmen von offiziellen Vereinstouren. Diese Empfehlungen stellen aus unserer Sicht den aktuellen Stand der Sicherheitstechnik dar. Bei allen offiziellen Vereinstouren (also solchen Touren, die auf der Homepage unter dem Menü “Termine” stehen), sollen diese Empfehlungen verbindlich sein. 

1. Im Vordergrund stehen die Erhöhung der Sicherheit und die Vermeidung von Unfällen jeglicher Art.
2. Zudem wollen wir damit das Thema “Sicherheit” bei allen Vereinstouren themati-sieren und in das Bewusstsein rücken
3. Es sollen eventuelle Lücken im Bereich der Fertigkeiten aufgezeigt werden verbunden mit dem Angebot zur Weiterbildung
4. Außerdem geht es auch um eine gewisse rechtliche Absicherung derjenigen, die DCV- Touren anbiete

1. Das Mitführen und Besprechen einer standardisierten und vom DCV zur Verfügung gestellten Sicherheitsausrüstung bei allen DCV- Touren
2. Das Vermitteln und Einhalten von Verhaltensregeln
3. Eine standardisierte Vorbesprechung der Touren anhand einer Taschenkarte
4. Eine Information über Gefahren und die Dokumentation der Teilnehmer an einer DCV-Tour, das ist schon aufgrund der Haftpflichtversicherung notwendig

Die Diskussion im Vorfeld hat gezeigt, dass das Thema “Sicherheit” sehr schwierig zu behandeln ist, da es persönliche Vorlieben oder Abneigungen, Autonomiestreben, Gruppenzusammensetzung etc. berührt, daher an dieser Stelle noch einige Anmerkungen, um Missverständnisse schon vorab zu vermeiden:

Diese Empfehlungen sollen bei allen offiziellen DCV-Touren verbindlich umgesetzt werden (das sind Touren, die im Internet unter dem Menü “Termine” stehen).
Wir empfehlen die Einhaltung dieser Grundsätze auch bei privat organisierten Touren. Diese Empfehlungen stellen Mindestanforderungen dar. Es steht natürlich auch auf offiziellen Vereinstouren jedem frei, zusätzliche bzw. eigene Sicherheitsausrüstung mitzunehmen

Ausschreibung:

Im Rahmen der Ausschreibung sollte angegeben werden, welche Schwierigkeiten bei den Touren zu erwarten sind und ob die Touren auch für Anfänger geeignet sind.
Es soll bekannt gegeben werden, welche zusätzliche Ausrüstung über die Mindestausrüstung hinaus benötigt wird.

Vor der Veranstaltung:
Die Gefahreninformation ist unterschrieben an den Initiator einzureichen.
Es sollte abgefragt werden, wer Brillenträger, Diabetiker ist oder ähnliche Einschränkungen hat.
Vor dem Beginn der Tour sollten Können und Fertigkeiten der Teilnehmer abgefragt werden. (Wer kann was? Selbstständig Abseilen, Lösbares System einbauen etc.)

Tourbesprechnung:

Vor jeder Tour an Hand der Taschenkarte:
Wie heißt der Canyon?
Charakteristik des Canyons?
Länge des Canyons?
Regulärer Ausstieg?
Wo sind Notausstiege?
Wo ist das Handy?
Notfall-Rufnummer?
Längste Abseilstelle?
Wer hat welche Seile?
Wo ist die Notfallausrüstung?
Wo ist das Notseil?

Pfeifsignale:

1 x        STOP
2 x        SEIL-FREI
3 x        NACH-GE-BEN
4 x        SEIL-EIN-ZIEH-EN

Viele Pfiffe    GEFAHR / HILFE

Signale sollen gegebenenfalls von der Gegenseite wiederholt werden.

Gefahreninformation:
Canyoning ist eine Risikosportart. Jeder Teilnehmer einer Tour ist sich der vorhandenen Risiken bewusst – auch durch die unterschiedliche Befähigung einzelner Teilnehmer – und nimmt deshalb eigenverantwortlich an den Unternehmungen teil. Eine Haftung einzelner Beteiligter, sowie des Deutschen Canyoning Vereins ist ausgeschlossen. 

Notfallausrüstung für die Gruppe:

Wasserdichter Behälter (Notfalltonne)

Handy

Notfallinstruktionen

Verbandszeug: Pflaster wasserdicht, Dreieckstuch, Mehrere Wundauflagen, Gewebeklebeband, Israeli Bandage, Klammerpflaster, Desinfektionsspray, Einmalhandschuhe, 2 Sam-Splint-Schienen, Mehrere Rettungsdecken, Pinzette

Notausrüstung: LED-Stirnlampe, Zange oder Multitool, Schwimmbrille oder Taucherbrille, Feuerzeug, Rauchsignalgeber, Kabelbinder, Energiereiche Nahrung

Zusatzausrüstung die je nach Gruppe, Canyon und der Umstände benötigt werden kann

(hier sind nur Beispiele aufgeführt, ev. sind Ergänzungen erforderlich): 

Setzzeug:            Handbohrsystem mit Hammer, Schraubenschlüssel 13mm und 17mm, Schraubglieder, Sortiment Laschen, Muttern und Schrauben

Nottrage, Biwaksack, Blizzarddecke, Wurfsack,

Mindestausstattung für eigenständige Canyon-Begehungen
und DCV-Touren

Die Ausrüstung ist abhängig von der Gruppenzusammensetzung, der Charakteristik des Canyons und der Verhältnisse vor Ort. Die aufgeführten Ausrüstungsgegenstände sind eine Empfehlung. Der Bedarf muss vor Ort von der Gruppe oder dem Verantwortlichen festgelegt werden. Insbesondere bei anspruchsvollen Canyons ist eine spezielle Zusatzausrüstung nötig.

Das Beherrschen der notwendigen Techniken und der richtige Umgang mit der Ausrüstung ist die Voraussetzung für eine sichere Canyon-Tour. Das notwendige Wissen und Können vermitteln wir in unseren DCV-Kursen.

Personenausrüstung:

Neoprenanzug komplett mit Neoprensocken

Canyoning Gurt

Helm nach EN12492

Canyoning Schuhe

1 Abseilgerät mit mehreren Bremsstufen

Selbstsicherungssystem mit 2 Achsen und Schraub- oder Klettersteigkarabiner. Möglichst mit verstellbaren Strängen. 

Pfeife

Messer oder Schere

Canyoning Gurt

Seil nach EN1891

Material am Gurt:

ein Abseilgerät mit mehreren Bremsstufen und passendem Schraubkarabiner, empfohlen Abseilgerät mit Kappschlinge am Gurt befestigt 

2 Expressschlingen Set mit HMS-Karabinern (unterschiedliche Längen)

2 Schraubkarabiner

Bandschlinge oder Stufenschlinge

Seilrolle mit Rücklaufsperre

Steigklemme (Je nach Präferenz von der Notsteigklemme bis zur Handsteigklemme)

Schraubglied

Beispiele für Ergänzungen: (kleiner Schraubkarabiner, Riggingplatte, Stahlkarabiner, Prusik)

Grundsätzlich:
Es muss unter Abwägung der Kriterien (Wasser, Kantenbelastung, Höhe) die geeignete Abseilmethode gewählt werden.

Der Erste und der Letzte müssen über besondere Kenntnisse verfügen:

Lösbare Abseilstelle
Knoten überseilen
Seilbahn aufbauen
Flaschenzug
Seilkappmanöver
Abziehbares Seilgeländer
Wiederaufstieg am Einfach- und Doppelseil

Sie achten darauf, dass alle Abseilenden die gewählte Technik und Probleme erkennen.
Bei der Doppelseilmethode hat der Letzte das Notseil am Standplatz. Bei der Einfachseilmethode ist das Restseil das Notseil.
Spätestens der Vorletzte versucht nach dem Abseilen möglichst eine Abziehprobe durchzuführen.
Wenn möglich, wird von unten immer durch Zug am Seil gesichert.
Achter alpin: Es ist darauf zu achten, dass der Achter nicht verloren geht.

Doppelseilmethode:
Nicht anwenden bei turbulentem Wasser. 
Vorzugsweise anzuwenden an Abseilstellen, bei denen Wasser kein Kriterium ist und bei hohen Abseilstellen.

Einfachseilmethode lösbar:
Bei hohen Abseilstellen nur bedingt geeig-net, da durch große Dehnungsbewegungen das Seil scheuern kann.
Anzuwenden bei turbulentem Wasser und bei tiefen Wasserstellen.
Es ist auf die Reibung in Abhängigkeit der verschiedenen Seildurchmesser, Seiltypen (Canyoningseil/Statikseil) und des Körpergewichts zu achten.
Seil wird möglichst immer auf die Wasseroberfläche abgelängt.

Die Abseilmethode ist je nach Seilreibung und persönlichen Eigenschaften anzuwenden:
Achter alpin – Seilsteg zeigt Richtung Gesicht
Alternative Abseilgeräte nach Herstellerangabe.

Maßnahmen bei Scharfkantenbelastung:
Doppelseilmethode ist weniger anfällig als Einfachseilmethode
Immer in Seilflucht abseilen.
Wenn möglich Seilschutz unterlegen.
Nach jedem Abseilenden Seil versetzen.
Gegebenenfalls Seil während des Abseilens langsam nachlassen (Methode Einfachseil) 

Grundsätzlich:
Niemand wird zum Rutschen bzw. Springen gezwungen. Auch bei Zwangspassagen ist auf Wunsch zu prüfen, ob man ein Seil an Bäumen, Steinen etc. zur Hilfe installieren kann.  
Bei Sprung- und Rutschstellen muss erst die Wassertiefe erkundet werden: z.B. durch Abklettern, Austauchen. Dann Stelle freigeben.

Grundsätzlich:
Nachfolgend aufgeführte Techniken sind von zwei Mitgliedern zwingend zu beherrschen.
Seilbahnbau
Flaschenzug
Knoten übersteigen
Seilkappmanöver
Abziehbares Seilgeländer
Wiederaufstieg am Einfach- und Doppelseil
Reanimation

Es muss unter Abwägung des Tourenangebots definiert werden, ob es notwendig ist, dass alle Mitglieder die Standardtechniken beherrschen müssen. Bei wenig begangenen Touren bzw. bei schwierigen und langen Touren kann dies zwingend erforderlich sein. 

Diese Ausarbeitung ist nach besten Wissen und Gewissen erstellt. Sie ersetzt jedoch nicht die Aus- und Weiterbildung und das Erlernen von Techniken z.B. die auch über die Kurse des DCV e.V. vermittelt werden.

Gute Schwimmkenntnisse, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und körperliche Fitness.

Keine Drogen/kein Alkohol unmittelbar vor und während des Kurses. Bei Schwangerschaft bitte nicht an Canyoningkursen teilzunehmen (aufgrund der häufigen Benutzung des Beckengurtes).

Wir empfehlen zusätzlich den Abschluss einer Bergeversicherung (z.B. beim DAV).
Beim begehen einer Schlucht versichert sich der Canyonist, dass er/sie über die potenziellen Gefahren des Baches informiert ist bzw. sich selbständig darüber informiert (z.B. auf der DCV-Homepage).
Die Teilnahme an den Vereinstouren erfolgt auf eigene Gefahr, es bestehen keinerlei Haftungsansprüche gegenüber dem Veranstalter.