Als ich mit Martha im Jahre 1981 erstmals nach Selleta kam, war das unsere erste Spanienerfahrung - der Aktionsradius war noch eng. Wir fuhren ans Meer. 
Doch das war uns bald schon zu wenig. Zu dieser Zeit machten einige Mitglieder unserer Dorfgemeinschaft, unter anderen auch Reinhard Hase, schon zahlreiche Wanderungen und berichteten von spannenden Erlebnissen aus dem nahen Bergland. Später unternahmen wir auch Radtouren in das umgebende Land, die erahnen ließen, welche Naturschönheiten in Berg und Tal, in Fluss und Klamm noch zu ergründen waren. 
Die schönen Erfahrungen spornten an. Bald darauf machten wir mit einer größeren Gruppe eine Wanderung von Fredes durch die Matarranyaschlucht bis zur Mas de Lluvia und zurück, was wegen der Einmaligkeit dieser Schluchtenlandschaft sehr beeindruckte. Der Hüttenwirt, bei dem wir hinter Fredes übernachteten, erzählte uns von einer märchenhaft schönen Schlucht, die der Canaleta bei Horta de San Juan in das Konglomeratgestein geschnitten habe. Wir machten uns umgehend daran, diese Schlucht zu erforschen, natürlich mangels anderer Möglichkeit von unten nach oben. Schwierig war das Vorankommen, zwei Spanier, die uns in voller Montur entgegenkamen, warnten uns, weiterzugehen, aber nach Überwindung einiger Kletterstellen und kleinerer Wasserfälle landeten wir wieder an einem majestätischen Wasserfall, der uns am Weitergehen hinderte. Ein späterer Versuch, den Einstieg wenigstens von oben zu finden - ans Herunterseilen hatten wir zu dieser Zeit noch nicht ernsthaft gedacht - war erfolglos. Wir waren zu unerfahren und fanden nicht weiter. 
Damals erfuhren wir, dass es in den Pyrenäen schöne Schluchten gab, die man unter Anleitung professioneller Führer begehen konnte. Beim nächsten Aufenthalt fuhren wir die 400 km hoch und gingen unter Anleitung von Guides, begleitet von einigen mutigen Selleta-Jugendlichen, drei Schluchten. Die schwierigste, die Gorgas Negras war für alle eine Herausforderung: die Krönung war ein Sprung aus rund 11m Höhe in einen kleinen Wassergumpen. Wir waren stolz auf unsere neue Erfahrung und kannten nun endlich die handwerklichen Grundbegriffe für diese neue, faszinierende Sportart - Canyoning. 
Zu dieser Zeit bildete sich in München aus einer kleinen Gruppe Interessierter der Deutsche Canyoning Verein - Reinhard und ich gehören zu den ersten Mitgliedern. 
Nach der Anschaffung der Ausrüstung übten wir fleißig an Reinhards Balkon und bald schafften wir den Canaleta abwärts ohne fremde Hilfe. Die Schönheit dieser Schlucht ist so einzigartig, dass sie uns sehr ans Herz gewachsen ist. 
Bei der bald folgenden Begehung des Regatxol am Ulldemó war uns das erstmalige Abseilen an einem 50-Meter-Wasserfall nicht ganz geheuer, aber mit großer Überwindung schafften wir es. 
Doch die zahlreichen Schluchten am Monte Caro waren unser eigentliches Ziel: 
Es sind dies zahlreiche z.T. wildzerklüftete Schluchten mit hohen Felsabbrüchen, im Süden eher trocken und mit einer hochgebirglichen Vegetation; im Norden mit tiefen Einschnitten und meistens mit vielen Wasserfällen und kalten Gumpen, aber ebenfalls von einer atemberaubenden Symbiose aus Felsen, Pflanzen und Tierwelt. Die Trockenheit im Süden hat zur Folge, dass einem immer wieder Schlangen, sei es im Gumpen oder am Weg, aus nächster Nähe begegnen. Ich habe durch diese Begegnungen meine früher panische Angst vor Schlangen ein gutes Stück abbauen können. 
In einer Nordschlucht des Monte Caro wurde unser damaliger Leichtsinn einmal zum Problem - Reinhard, ich und noch zwei Mitglieder unserer Dorfgemeinschaft stiegen an Ostern vor zwei Jahren in den Vallfiguera zu vorgerückter Tageszeit ein, hatten die Topografie im Auto gelassen, trödelten auch noch herum und staunten über die großen Eiszapfen, die an den Wasserfällen über die Felsnasen hingen. Es wurde schnell dunkel, wir fanden den Ausgang nicht mehr und kamen erst spät nachts durch Zufall aus dieser sehr schwierigen Schlucht heraus. Unser Abholer war inzwischen panisch als Hiobsbote nach Selleta zurückgeeilt und wir mußten die Nacht bei Eiseskälte im Neoprenanzug am Monte Caro verbringen. 
Wir haben daraus gelernt und fahren seither große Schluchten schon bei Sonnenaufgang mit reichlich Proviant an. Diese Schlucht haben wir dann im November 97 bei Regenfall zusammen mit Peter "nachgeholt"; es war ein herrliches Erlebnis, als sich die Regentropfen im satten Grün der üppigen Flora spiegelten - unsere Canyon-Welt ist seither wieder in Ordnung. 
Um eine Schlucht haben wir stets einen Bogen gemacht - den Geganta am Südhang des Monte Caro; eine 100-Meter-Abseilstelle schreckte uns sehr. Zusammen mit Peter, unserem erfahrenen Canyon-Mentor, schafften wir auch diesen letzten Canyon problemlos. 
Damit haben wir alle bekannten Schluchten im südlichen Katalonien begangen. Interessante Erstbegehungen bei Beceite warten jetzt auf uns. 
Dies war für Reinhard und mich der lange Weg zum Canyoning. Für uns hat dieser Sport aber auch unsere zweite Heimat Selleta in Katalonien als Ausgangspunkt für natursportliche Aktivitäten noch interessanter gemacht. - Herbert Fischer -