Mittwoch, der 8.5.02 - rund 20 verwegene DCV-ler streben aus allen Ecken Deutschlands in Richtung Gardasee, aller Vernunft zum Trotz, so scheint es, ist doch die Wettervorhersage für Südtirol mehr als bescheiden. Trotz des strömenden Regens treffen alle nach und nach in recht guter Stimmung im Hotel Sport in Pieve di Ledro ein - freudiges Wiedersehen für die "alten Hasen", Erzählen, was beim einen oder anderen im Winterhalbjahr canyoningmäßig so lief, und die Planung für die nächsten 4 Tage füllen den Abend - nicht zu vergessen natürlich die leckere Pizza, die das Italienfeeling vervollkommnet!

Da sich bei diesem Treffen erfreulicherweise auch einige Canyoningneulinge eingefunden hatten, wurde für den nächsten Tag eine relativ große Anfängergruppe gebildet, die im Fontana Bianca erste Erfahrungen sammelte. Zu easy war das jedoch auch nicht, denn eine 50m-Abseilstelle forderte schon einiges an Mut. Auf einer kleinen Wasserfallbesichtigungstour auf der Rückfahrt zum Hotel machte Alex der Anfängergruppe noch "lange Zähne" auf den Palvico, dessen Schlusswasserfall aus einer fast höhlenartigen Verengung 50m in die Tiefe stürzt. Beim Anblick der brodelnden Wassermassen an der Einschlagstelle in den Gumpen war uns jedoch gleich klar, wie sehr oben in der Verengung "die Post abgehen" muss, und dass hier doch deutlich weniger Wasser nötig ist, um diese Schlucht machen zu können. Zwei kleinere Gruppen mit erfahrenen Canyonisten machten an diesem Tag den Baes bzw. den Rio Val, die beide durch die Regenfälle der letzten Tage recht sportlich waren.

Am Freitag beging die Anfängergruppe den Ponale, der recht vertikal südlich von Riva direkt in den Gardasee abfällt. Hier war das Kriterium der Einstieg in die Schlucht - knapp 60m freie Seilfahrt von einer Brücke aus. Da gab's dann schon den einen oder anderen Adrenalinstoss beim Übergang in den freien Hang! Nun folgten viele interessante Abseiler, immer wieder mit "Duschungen" verknüpft (immerhin "duschte" es an diesem Tag aber nicht mehr vom Himmel!). Den größten Spass hatte auf dieser Tour wohl unser Jungcanyonist Sebastian, der an zwei etwas kritischen Stellen eine Seilbahn gebaut bekam und so weit entfernt vom bedrohlichen Wasser "zu Tale" schwebte.
Nur die Kiesbank an der letzten Abseilstelle sah nach einer solchen Aktion verdächtig umgepflügt aus - das Widerlager des Trageseils (nämlich Thomas und Sören) war einfach aus seiner Verankerung gezogen worden! Die ca. 50m, die wir nun durch den Gardasee zum Ausstieg schwimmen mussten, waren ein weiterer Härtetest - saukalt! Dafür sehnte man sich auf dem steilen Rückmarsch zum Auto bald nach dieser Erfrischung zurück. Die beiden anderen Gruppen waren an diesem Tag im Fontana Santa bzw. in der Bianca, wo Reinhard H. zufällig die Armbanduhr wiederfand, die Michael dort am Vortag verloren hatte.

Am Samstag stand noch einmal der Fontana San-ta und für die Anfänger eine Klettersteig-Canyoning-Kombination auf dem Programm. Die dritte Gruppe konnte den für alle noch unbekannten Sandolino am Ostufer des Gardasees bei Pai erkunden. Wie im Führer beschrieben ist diese Schlucht vor allem nach Regenfällen empfehlenswert - wir fanden sie bei wohl optimalem Wasserstand vor. 3 Stunden tief eingeschnittenes Vertikalabenteuer fast ohne Laufpassagen zwischen den Abseilern riss selbst die Eingefleischten hin. Als dann am Ausstieg die Sonne noch zu einem Sonnenbad einlud, war das Glück perfekt.
Damit noch nicht genug waren wir alle am Abend in Wagners traumhaft gelegenes Ferienhaus eingeladen - mit Blick auf den Gardasee und die Lich-ter von Torbole, im Hintergrund das Knacken des Feuers im Ofen, bei Wein und Gemüse-Käse-Häppchen fand der Ausklang dieses gelungenen Treffens statt - gelungen nicht zuletzt durch die hervorragende Organisation durch Alex und Kerstin und den Wettergott, der es letztlich doch besser als angekündigt mit uns meinte. Am Sonntag gingen noch 2 kleinere Gruppen in den Ponale und den Sandolino, viele mussten aber auch schon die Heimreise antreten. - Waltraud Ibrom -