Wenig bekannt ist dieses hervorragende Schluchtengebiet im Osten Spaniens. Nur 30 Km von der Costa del Azahar entfernt erhebt sich nahe der katalanischen Stadt Tortosa, am Ebro gelegen, das wild zerklüftete Kalkgebirge der "Puertos", bzw. "Ports", wie die Katalanen es nennen.
Meerseits, aus der Ebene um Santa Bárbara, mit seinen weiten, verträumten Olivenhainen, türmen sich mächtige Wände und Steilhänge auf, bis zu 1447 m hoch (Monte Caro). Im Osten durchbricht der Ebro in einer Enge das Küstengebirge um sich anschließend in einem gewaltigen Delta ins Mittelmeer zu ergießen.
Drei Provinzen reichen in das Gebiet hinein: Tarragona - der südliche Zipfel von Katalonien - Teruel und Castellon. 

Das wald- und wildreiche Gebiet ist als Parque Natural sowie als Reserva Nacional de Caza ausgewiesen. 
Das Bergland ist, außer einer Feriensiedlung nördlich des Monte Caro, kaum besiedelt und nur durch ein paar schmale Sträßchen und Pisten erschlossen, so dass für manche Tour eine raue Geländefahrt und ein strammer Fußmarsch angesagt sind. 
Von der Guardia Forestal wird das gesamte Reservat überwacht. Sie achtet unter anderem streng darauf, dass nicht wild gezeltet und vor allem kein Feuer gemacht wird. Hin und wieder werden die Besucher auch angesprochen und manchmal werden Autonummern notiert. 

Circa 35 Canyons verteilen sich auf ein Gebiet von nur 320 km². Die meisten davon liegen in Tarragona, einige in der Nachbarprovinz Teruel. 
In der Regel handelt es sich um Schluchten im festen Kalkgestein, im Nordwesten finden sich jedoch auch einige im Konglomerat. 
Sie bieten für jeden etwas in allen Schwierigkeitsgraden - I bis V. Wobei besonders die konditionellen und die technischen Fähigkeiten gefragt sind, weniger die im Umgang mit Wasser. 
Ideale Begehungszeiten sind das Frühjahr und der Herbst möglichst nach ausgiebigen Regenfällen. Wie oft im Süden mangelt es den Schluchten vor allem im Sommer an Wasser. Dennoch hat fast jede große Schlucht auch einen Teil - meist der Schlussteil - in dem Wasser fließt, wo gesprungen oder auch eine kurze Strecke geschwommen werden kann. 

Der üblichen Ausrüstung sollten auf jeden Fall Reserveseil, Spitsetzer, ausreichend Trinkwasser und eine Stirnlampe hinzugefügt werden. Manche Schluchtentouren sind einschließlich der Anfahrten, dem Umsetzen der Fahrzeuge, sowie den An- und Rückmärschen sehr lang und man kann sich ganz gehörig in der Zeit vertun. Nicht selten dauert eine Tour den ganzen Tag. 
Die Gegend ist zum Teil recht einsam und es kann durchaus sein, dass in den nächsten Tagen oder Wochen niemand vorbeikommt - fatal wenn man auf fremde Hilfe angewiesen sein sollte. Also immer Bescheid sagen wohin man geht! 

Aus der Fülle der Schluchten ein paar herausgenommen, die mit zu den lohnendsten zählen: 

Die Nordwestseite: 

Gorgas del Canaletas / Barranc d'en Piqué
- eine kurze Klamm (1-1½ Std.), die aber alles hat was eine Schlucht bieten kann: Einen ungewöhnlichen Einstieg, Sprünge, eine Höhle, Fels-Chaos, Naturbrücken, Schwimmstrecken und einen Siphon. Schwierigkeitsgrad C 3. 

Gubias del Regatxol
- ebenfalls kurz (1-1¼ Std.), schöne Sprünge und ein 50m-Abseiler zwischen gewaltigen, überhängenden Felswänden. Schwierigkeitsgrad C 3-4. 

Gorgas d'Estrets
- ein geschlossener, oberer Schluchtteil mit schönen Ausformungen und ein mehr offener unterer Abschnitt, der ein wenig Wasser führt. (3-4 Std. / Seiteneinstieg: 2½ -3 Std.) An 3 oder 4 Stellen kann gesprungen werden. Schöne Wanderung zum Einstieg in reizvoller Umgebung. Schwierigkeitsgad C 3.

Barranco de Peñagalera
- schönste Schlucht Teruels (3-4 Std.), besticht durch den herrlichen Anmarsch und dem abwechslungsreichen Schluchtverlauf in bizarrer Felslandschaft. Ein Umsteiger in senkrechter Wand. Schwierigkeitsgrad C 4 / 5. 

Barranco de la Paridora
- offene und geschlossene Schluchtabschnitte wechseln sich ab. Ein paar Sprünge, zum Schluss ein unübersichtliches, schwer zu überwindendes Chaos (6-7 Std.). Lange Pistenanfahrt mit fantastischen Ausblicken und einem langen, steilen Rückweg. Abwechselungsreiche, sportliche Tour. Schwierigkeitsgrad C 3 / 4. 

Die Südostseite: 

Gorgas de la Vallfigueras
- enge, tief eingeschnittene, eindrucksvolle Schlucht, die längste der Ports. Im Verlauf meist trocken, nur im Schlussteil wasserführend. Aus einem 7 m tiefen Kolkbecken (marmita trampa) muss mit Steighilfe am Fixseil aufgestiegen werden. Im unteren Teil ein gewaltiges Fels-Chaos mit z.T. riesigen Blöcken. Eine etwas schwierige, sportliche Tour (5-6 Std.). Schwierigkeitsgrad C 4. 

Barranco de Caramella
- Abwechselungsreiche Schlucht in den steilen Südost-Abbrüchen des Monte-Caro-Massivs. Der Zustieg ist mühevoll. Im oberen Teil meist trocken, im unteren vor allem im Sommer wenig Wasser. Dennoch einige schöne, grünumsäumte Sprunggumpen. 103 m hoher Wasserfall mit 2 Umsteigern. Tour mit herrliche Ausblicken weit ins Land hinaus. (5-6 Std.). Schwierigkeitsgrad C 4 / 5. 

Barranco de la Geganta
- (6-7 Std.), 700m Höhenunterschied, 400m Gesamtabseilstrecke, Umsteiger in senkrechter Wand (100m). Für die Freunde der Vertikalen. Zwischendrin ein vielgestaltiges Chaos. Im unteren Teil wasserführend. Schwierigkeitsgrad C 4 / 5. 

Barranco de Desferacavalls
- offene und enge Schluchtabschnitte wechseln sich ab (5-6 Std.). Großartige Landschaft mit Felswänden -türmen und -fenstern. Der Schlussteil ist eng, ein Felsbogen überspannt die Klamm und eine Quelle sorgt für paradiesisches Grün. Schwierigkeitsgrad C 3 / 4. 

Zu solchen Touren gehören natürlich auch die Anfahrten durch die stillen Weiten der Olivenhaine, ebenso wie die An- und Rückmärsche in phantastischen Felslandschaften, wo die Gänsegeier im Aufwind der Felsabbrüche kreisen und man oft ganz überraschend Steinböcken begegnet, begleitet vom wunderbaren Duft der Orangenblüte im Frühjahr, der die ganze Landschaft erfüllt und dem kräftigen Geruch der mediterranen Kräuter am Wege. Für denjenigen, der mit wachen Sinnen solche Touren unternimmt sind es rundum beglückende Erlebnisse.

Landkarte:

Mapa Excursionista, 1 : 40 000, PIOLET®, Nr. 10 - El Port
(Auf dieser Karte sind die wichtigsten Schluchten mit einem schwarzen, geschlängelten Pfeil gekennzeichnet.)

Beschreibungen im Internet:

• DCV-Beschreibungen (Monte Caro)
• Schluchtenkataster Katalonien: Prov. Tarragona, barrancs N°. 9 - 38)
• Canaleta
• Barranco de Peñagalera
• Barranco de Regatxol
• Barrancos de Teruel

Literatur:

DCV-Bücherei
• S1 - GORGAS Y BARRANCOS DE CATALUÑA, MALLORCA Y ALTO ESERA (Eduardo Gómes)
• S21 - DESCENSO DE CAÑONES - TARRAGONA, Tomo I (Eduardo Gómez)
• S34 - INDICE DE BARRANCOS DE LA COMUNIDAT ARAGONESA (barrancos N°. 353 - 358)
• S38 - EL DESCENS D´ENGORJATS A CATALUNYA (J. M. Concernau, A. Civit, X. Boltà)
• S52 - GUÍA DE DESCENSO DE CAÑONES Y BARRANCOS -Asturias, Cuenca, Granada, Mallorca, Tarragona y Terruel (Laura Tejero/Eduardo Gómez) 

DAV-Bücherei, München
Artikel in der spanischen Bergsportzeitschrift Extrem:
• 4 D 470(1993. Nr. 61 - GORGAS DE ESTRETS (Eduardo Gómez)
• 4 D 470(1994. Nr. 66 - BARRANCO DE LA CARAMELLA (Eduardo Gómez)
• 4 D 470(1994. Nr. 67 - BARRANCO DE PENYAGALERA (Eduardo Gómez)

Campingplätze:

Puebla de Benifassar
Moli l'Abad, Cr. Pobla Benifassà, bei km 5, zwischen La Sènia und dem Pantano de Ulldecona,
Tel. 977 - 713286 / 713418
Monte Caro
Refugio de Caro, Ein kleiner Campingbereich in der Nähe der Hütte. 
Tel. 977 - 267128 / 580063.
Arnes
Cámping els Ports, Carretera T-330, bei km 2, zwischen Arnes und Horta de Sant Joan, 
Tel. 977 - 435560.
Horta de Sant Joan
Campingbereiche von Mas dels Ateos und Mas de la Franqueta. Ausgestattet mit verschiedenen 
sanitären Einrichtungen. Erlaubnis im Rathaus von Horta de Sant Joan einholen. Tel. 977-435005
Beseit
Einfacher Gemeinde-Campingplatz von Coll de les Forques. Ausgestattet mit verschiedenen 
sanitären Einrichtungen. Erlaubnis im Rathaus von Beseit einholen. Tel. 978 - 850225

Turismo Rural - Ländliche Ferienunterkünfte

Horta de San Jean
Els Olivers, Tel. (+34) 977 - 435360.
Andere Orte

- Reinhard Hase -