Sonniges, warmes Frühlingswetter umfängt uns, als Peter, Herbert und ich aus dem Flugzeug in Palma de Mallorca steigen.
Peter hat wieder einmal die Initiative ergriffen und per Internet eine schöne, hoch über dem Hafen von Port Soller gelegene, Ferienwohnung organisiert. Nach einem kurzen Check des Leihautos geht es auch schon los. Vollbeladen mit allerlei Canyongraffl bis unters Dach auch den kleinsten Platz unseres, wieder einmal viel zu kleinen Leihwagens nutzend, fahren wir ein kurzes Stück über die Autobahn. Danach weiter auf der C-711 durch sonnenüberflutete, saftiggrüne Olivenhaine, den kürzesten Weg, per Tunnel, geradewegs zu unserer Fewo nach Port de Soller.
Dort angekommen treffen wir auf Kerstin und Alex, die auch mit von der Partie sind. Sie waren schon zwei Tage vorher auf die Insel geflogen und haben auch schon einen kurzen Canyon gemacht.
Nach der herzlichen Begrüßung wuchten wir erst mal das ganze Gepäck aus dem Auto auf den Balkon.
Ein "Überfall" des örtlichen Supermarktes versorgt uns mit den nötigen Bierchen, Weinen und was wir sonst noch so für einen unbeschwerten Aufenthalt brauchen und läst den vorhandenen Kühlschrank beinahe platzen. Bei einem fullminanten Abendessen mit südlichen Spezialitäten planen wir am nächsten Tag den Torrent de na Mora zu begehen.

Der Straße C-710 nach Pollenza folgen wir bis zum Mirador ses Barques, wo wir auf einer, teils von tiefen Regenrinnen durchzogenen, schmalen und unbefestigten Straße zum Tourismo rural fahren. Manche Stellen nötigen uns zum Aussteigen, damit der, mit fünf Canyonisten überladene Wagen nicht aufsitzt. Am Tourismo angekommen genehmigen wir uns erst mal einen frisch gepressten Orangensaft, der auch die letzten Reste eines eventuell vorhandenen Brummens vom Vorabend im Kopf beseitigt. Die Frage Peters, ob wir das Auto gegenüber des Anwesens parken dürfen, wird freundlich bejaht.
Frisch gestärkt von den vielen Vitaminen beginnt der leidige Kampf mit den, wieder mal nach langen Winternächten viel zu klein gewordenen, Neoprenanzügen.
Schnell sind die vielen Seile verteilt, die wir für das letzte Stück des Canyons benötigen, da der na Mora im heute sehr unruhigen Meer endet und wir darum ab einer bestimmten Stelle die Seile zwecks Rückstieg hängen lassen müssen. Der Bach ist anfangs trocken und von den vielen freilaufenden Ziegen und Buffalos völlig verschissen.
Die ersten abgestandenen Gumpen können überklettert werden, so dass wir bei einer schon relativ saubern das erste mal wassern müssen. Der Canyon tieft sich mehr und mehr ein und ein paar Rutschen später, ab einer kleinen Quelle, ist die canyonisten Welt wieder völlig in Ordnung: Abseiler bei leichtem Pieselwasser, Sprünge bis 8m in klare Gumpen und enge, mit Hängeefeu verzierte, Schwimmstrecken wechseln einander ab. Viel zu schnell ist der letzte Sprunggumpen erreicht, wo wir ein Seil zum Rückzug zum Auto hängen lassen. Uns ist gar nicht aufgefallen, dass mittlerweile einige dunkle Wolken am Himmel aufgezogen sind und sich nun leichter Regen einstellt. Da wir eh den ersten, längeren Teil hinter uns haben, machen wir eine kleine Essenspause. Der Regen verstärkt sich und ich beschließe, eingedenk der Erlebnisse auf Teneriffa, die Canyontour hier zu beenden.
Während die anderen noch Essen, richte ich schon mal die nächsten drei Abseiler ein, damit es dann schneller geht.
Peter versucht mich doch noch zu überreden: "Komm, nur noch 6 kurze Abseiler durch einen spektakulären Dunkelcanyon bis zum Meer. Geht schooo!!" Ich verneine, schaue mir aber zumindest bis zum vierten Abseiler die Schlucht an und kehre dann um. Bis dahin und sicher noch weiter: erste Sahne! Tief eingeschnitten, eng, dunkel, mit großen Klemmblöcken oben und sauber gewaschenem Kies am Boden des Meanders. Nach einer Stunde erscheinen die Vier wieder, leicht fertig vom ungewohnten Aufsteigen am Seil und voll des Lobes über die letzten Meter. Kerstin, Peter und Herbert beschließen, auf dem Landweg zur Fewo zu gehen, während Alex und ich den na Mora zurückklettern um das Auto zu holen. Außerdem würden wir so endlich zu einer genauen Beschreibung des Ausstiegs kommen, so dass sich in Zukunft ein Biwakieren, aufgrund schlechten Topos (siehe CP #13), erübrigt.
Ohne den üblichen Kram geht es auch gleich viel schneller und so sind Alex und ich schon nach 45 min wieder am Auto. Auf den letzten Metern vor der der Fewo treffen wir dann auch die Fußgänger.
Gut, dass auch Petrus ein einsehen hat, aber die vielen, tiefhängenden dunklen Wolken verheißen für den nächsten Tag nicht das beste Wetter. Nach einem opulenten, selbstgekochten Essen und einem feuchtfröhlichen Abend sind wir morgens kurz am diskutieren, was heute ansteht.

Wir einigen uns, eine Höhle Cova del Cal Passo bei Port de Pollenca zu besuchen, da uns da das Wetter nicht´s anhaben kann. Auf dem Weg dorthin, kommen wir an den Stauseen de Cuber und Grog Blau vorbei, die ich noch nie so voll gesehen habe. Kein Wunder, dass alles so grün ist auf der sonst eher kargen, trockenen Insel, es scheint den ganzen Winter dauernd geregnet zu haben.
Auf den letzten Kehren von der Hochfläche ums Kloster Lluc nach Pollenza hinunter sehen wir, dass der Torrent de son Marc kräftig Hochwasser führt, der noch zusätzlich von einem von rechts herabtosenden, ~40 m hohen WSF gespeist wird. Einen Kilometer weiter führt rechts über den Bach in einer Spitzkehre eine kleine Straße von der man nach einem weiteren Kilometer einen guten Ausblick auf den vom Puig d' es Ca herab stürzenden Salt del Molinet hat. Lt. Peter ist der 150 m hohe Tuff-WSF eingesichert und bietet jetzt mit viel Wasser einen beeindruckenden Anblick.
Als wir in Port de Pollenca ankommen regnet es wie aus Kübeln und es bedarf keiner großen Überredungskünste, auch weil es schon fast Mittag ist, alle zum Essen in einem einfachen Lokal zu bewegen.
Während des Essens lässt auch der Regen nach, so dass wir, dank Peters stark ausgeprägtem Höhlen- und Canyonrüssels, recht schnell am Parkplatz bei der Cova del Cal Passo sind. Trotz der "genauen" Beschreibung des Höhleninganges: ~150 hm, oberhalb eines kleinen Apris, ~1m großes Loch im Boden, finden wir die Höhle recht schnell. Man braucht sich eigentlich nur an den kleinen, teils umgestürzten Steinmännern und den Trittspuren die hinaufführen, zu orientieren. Vom Auto aus gesehen, liegt sie ~80-100m rechts einer gedachten Verlängerung der Straße.
Da der Regen wieder einsetzt, verkriechen wir uns in den "Bauch der Erde" und kommen durch einen nach unten führenden Krabbelgang an eine ~20 m lange Schräge. Schnell das mitgebrachte Seil um zwei Tropfsteine geschlungen und schon geht´s weiter durch eine große Halle hinauf zu einem "fränkischen" Teil der ansonsten großräumigen Höhle. Nach dem Schluf folgt eine kleinere Halle, die eine sehr schön versinterte Spalte hat. Hier gelangten wir über eine kleine Abkletterei wieder in eine große Halle, von wo aus man nur in heikler Kletterei (20 m Seil) durch eine große, lehmverschmierte Tropfsteinwand oder entlang eines glatten, abschüsssigen Pfades an einem Schachtrand, in die hinteren Teil der Höhle kommt. Wir wählten den oberen Weg, da das Seil für die Querung zu kurz war und nirgends befestigt werden konnte. In diesem Abschnitt der Höhle kann man sehr schöne, am Stalaktitenansatz nach oben wachsende, völlig weise Excentriques betrachten. Auch sonst sind hier immer wieder Excentriques in den verschiedensten, allen schwerkraftgesetzen verleugnenden Wachstumsrichtungen zu sehen. Die Höfo´s unter uns konnten sich kaum losreißen und fotografierten was die Kameras hergaben. Der Rückstieg war schnell geschafft.
Am Eingang angekommen musten wir feststellen, dass es wieder kübelte. Unten am Auto hatte sich der Großteil des an uns haftenden Lehmes schon verflüssigt und tropfte an unseren Händen und Füßen herab. Eh schon bis auf die Haut durchnässt, streiften wir die Schlaze ab und warfen sie auf die Straße auf der 2-3 cm hoch das Wasser den Berg herunter lief. Auf dieser sogenannten "Waschstraße" brauchte man das Material nur mehrmals herum zu drehen um es wieder sauber zu bekommen. Nach und nach schaften wir es, im Schichtbetrieb im Auto unsere trockenen Klamotten anzuziehen. Auf der Heimfahrt vermochte es die Klimaanlage nicht, die Scheiben einigermaßen trocken zu bekommen, da wir wie in der Sauna dampften.
Das fischige Abendessen war ebenso schnell zubereitet wie verspeißt und als bald entbrannte eine hitzige, sehr angagierte Diskussion über die Zukunft des DCV. Lag´s am Thema der Diskussion, an der "Leichtigkeit" des Bieres / Weines oder der begrenzten Menge derselbigen, jedenfalls dauerte es bis nach 2 Uhr, bevor wir an diesem Tag in unser Bett kamen.

Der nächste Morgen präsentierte sich mit kleinen, weißen Wolken am sonnigen, blauen Himmel. Ruck zuck war das gesammte Material im Auto verstaut und wir fuhren Richtung Valldemossa zum Torrent del Salt. Von der kehrenreichen Straße nach Port de Valldemossa konnten wir sehr schön unseren heutigen Vertikalcanyon begutachten. Er bietet ein impossantes Bild mit seinen drei hohen Wasserfällen, von denen der obere über einen riesigen Tuffkegel zu Tal stürzt. Optimaler Wasserstand, mittlerweile strahlend blauer Himmel und die Aussicht von einer knapp 400 m hohen Klippe auf das Mittelmeer versprachen eine wahre Genusstour.
Da die Sonne erst in ~1,5 h den WSF voll beleuchten würde, fuhren wir auf einen Kaffee nach Valldemossa zurück. Auf dem linksseitig etwas tiefergelegenen Parkplatz des Hotels Vistamar zogen sich alsbald vier, nach einem Supercanyon gierende DCV´ler, um. Herbert will diesen Tag nicht ins Wasser und bietet sich an, das Auto umzusetzen. Rasch den Zaun zu einer Wiese überklettert und nach 100 m Marsch zwischen den hochgewachsenen Blumen kreuzen wir unseren Bach. Wir folgen ihn kurz bis zu einer Brücke, auf deren linken Seite wir neben einem Tuffabfall in den Bach steigen. Die Gumpe ist so tief, dass die anderen erst mal völlig abtauchen, da sie nicht gesehen haben, wie ich mich darüber gemogelt habe. Im Verlauf des Baches kommen wir zuerst immer wieder an kleine, abkletterbare Wasserfälle, seilen aber dann doch zweimal einen kürzeren ab. Nach knapp 15 min stehen wir an der Kante und sind überwältigt von der Aussicht in den Kessel an dessen Ende Port de Valldemossa liegt. Mittlerweile ist auch die Sonne soweit gewandert, dass der ganze WSF in gleißendes Licht getaucht ist. An der rechten Seite ist nach einer kurzen Querung der erste große Abseiler. Peter ist schon am Abseilen, während wir noch gebannt ins Tal blicken bzw. die Aussicht geniesen. Im Laufe der nun folgenden WSFe ergeben sich durch das Gegenlicht immer wieder traumhafte Möglichkeiten beste Canyonbilder zu machen. Im untern Drittel des ersten WSFs sind die dort wachsenden Bäume/Sträucher teils mit einer dicken Tuffschicht überzogen zum Teil auch völlig eingesintert. Nach dem letzten Wasserfall geht es noch ein Stück im Bach weiter bis sich kurz nach einer "Abkletterstelle" links, die man liegend auf einem abschüssigen Steinblock vorsichtig zwischen den Dornen hinabrutsch, eine Ausstiegsmöglichkeit eröffnet.
Wir folgen dem anfangs schmalen Pfad, der immer breiter werdend, über ein altes Wehr den Torrent de Valldemossa querend, zügig ins Tal hinab und schließlich auf der Teerstraße den Hafen erreicht.
Dort erwartet uns auch schon Herbert, dem wir nach dem Umziehen und einer "Begegnung der sechsten Art" in der Hafenkneipe fürs Fahren ein paar Bier ausgeben. Alle sind restlos begeistert, doch Angesichts des Rückflugs am nächsten Tag der Meinung, dass es eigentlich wieder viel zu kurz gewesen ist... - Wolfgang Stich -