Meine ersten Erfahrungen im Canyoning machte ich im Sommer 2001, mit Stefan Hofmann im Riou, 50 Meter Abseiler am Einzelseil im Drei-Millimeter-Neopren und ohne Socken machten mir zwar 'ne Menge Schiss und blau gefrorene Hände - aber gleichzeitig wusste ich auch, dass ich etwas entdeckt hatte, was mich wirklich begeistert. Im gleichen Urlaub noch einmal Nachtcanyoning durch eine anderen relativ kurzen Canyon, und ich war völlig infiziert.

Glücklicherweise fand ich im Herbst 2001 im Netz den DCV, trat bei, kaufte mir Equipment und fuhr mit vielen von Euch zum Frühjahrstreffen 2002. Dank 5 mm Socken, die mir Walter Rodenborn (Danke!) lieh, und trotz eher schlechten Wetters, lernte ich, dass man sich beim Canyoning nicht definitiv den Arsch abfriert, und verbrachte eindeutig eines der schönsten Wochenenden des Jahres mit Euch. Ein paar Wochen später hatte ich das Glück, beruflich wieder in Süddeutschland zu sein und machte eine sehr schöne Tour mit Reinhard Hase. Für mich war klar, dass ich diesen Sommer "Ins Zeichen des Canyoning" stellen musste und nach einer kleinen Tour auf Mallorca brachen wir deshalb Mitte Juli in Richtung Südfrankreich auf. Da ich dachte, dass es auf meinen ersten selbstverantwortlichen Touren Sinn macht, von mir in einer Gruppe schon begangene Canyons noch einmal zu gehen, entschieden meine Freundin Katja und ich, wieder in die Gegend um die Verdon Schlucht und die französischen Seealpen zu fahren. Um es kurz zu machen - es war fantastisch!

Die Tatsache, dass ich einige der Canyons schon kannte, erleichterte mit den Einstieg ins selbstverantwortliche Begehen und machte es definitiv wesentlich sicherer. Thema Sicherheit: An allen Stellen, die ich ohne Sicherung von unten vorging, benutzte ich den Shunt als zusätzliche Sicherung. Ich baute ihn unter dem Achter ein und befestigte ihn mit einer 4 mm Reepschnur an meinem rechten Handgelenk, so dass er automatisch mitgezogen wird ohne zu blockieren. Das Doppelseil läuft ein bisschen nervig schwer durch, aber es ist 100% safe. Wenn man beide Hände vom Seil nimmt, blockiert der Shunt sofort, ist aber, da er unter dem Achter hängt und so also nicht die volle Last trägt, auch völlig problemlos wieder zu öffnen.

Ich verzichte hier auf detaillierte "und dann kam ein sehr schöner 35 Meter Wasserfall, den ich linksseitig beging" Beschreibungen; wir alle wissen, dass die Canyons in dieser Gegend sensationell sind. Natürlich hatten wir auch Abenteuer wie ein verklemmtes Seil am obersten von drei aufeinander folgenden 35 m Fällen, so dass ich mit achtzig Meter Luft unterm Arsch 35 Meter am Einzelseil aufsteigen durfte... wie gut, dass ich das vorher am Kletterfelsen noch einmal explizit geübt hatte! Aber das gehört dazu. Wer vor Begehungen in dieser Gegend Interesse an Details hat, kann mich gerne direkt Kontakten.

So viel zu meinem Sommer, zum Herbstreffen war es mir leider zu weit, aber wenn irgend-möglich, werde ich beim Frühjahrstreffen dabei sein. Ich möchte allerdings die Gelegenheit nutzen, die Problematik des Engagements von Nordlichtern im DCV einmal anzusprechen: Schon in der ersten Canyon-Post, die ich las, wurde mir klar, dass es einige sehr aktive Mitglieder gibt, die in einem fast schon ständigen Zustand der Unzufriedenheit über die Passivität der anderen leben. Das kann ich gut verstehen, und ich fühle mich hier auch angesprochen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich für mich keine reelle Möglichkeit sehe, mich zu wirklich zu engagieren; dies liegt einerseits am räumlichen Abstand (ich lebe in HH bzw. ab 1/2003 in B, 'nen Filmabend oder 'nen Stammtisch in München ist dann tatsächlich 'nen bisschen viel Aufwand) aber andererseits bin ich auch beruflich zu eingebunden. Was tun? Eigentlich stimme ich den aktiven zu, dass es so nicht geht. Was aber ist die Konsequenz? Austritt? Darf ich nur Mitglied sein, wenn ich nicht nur aktiv Canyoning betreibe, sondern auch aktiv in der Vereinsarbeit bin? Fände ich schade, da ich mich im DCV genau richtig aufgehoben fühle. Der Verein bietet - gerade in Relation zu der Höhe des Mitgliedbeitrages - unendlich viel Service und Informationen und extrem nette Leute. Mein Vorschlag wäre, einen erniedrigten - wenn nicht auf Null geschraubten - Beitrag für die im Vereinsleben ein Amt innehabenden Leute einzuführen. Ich hätte auch kein Problem damit, wenn dies zu eine leichten Erhöhung des Beitrages für die anderen (d.h. für mich!) führen würde. Natürlich ist das nur ein symbolische Sache, für die Geld Ersparnis kann keiner von uns mehr als eine Stunde arbeiten, aber es wäre vielleicht ein Anfang, der die Aktiven sich ein bisschen besser fühlen lässt.
Kommentare? - Sören Tempel -